Change, oder so.

Gerade scrollte ich durch einen (englischen) Artikel auf PetaPixel in dem jemand erklärte, dass die Hochzeitsfotografie tot sei. Also für die Leute, die davon Leben. Hochzeiten für, umgerechnet, 2500€ und mehr. Die ganzen Newbies klauen jetzt die Kunden zu Low Budget Preisen, heißt es da.
Das Schöne am fotografieren ist ja, dass es wirklich jeder kann – ja, auch jede (jede – so allein klingt das Wort lustig). Ich sage einfach, alle! Es können alle! Genau so können aber auch alle deine Bilder scheiße finden. Vielleicht weil sie wirklich scheiße sind oder weil es einfach nicht den Geschmack des einzelnen trifft. Und nein, ich schließe mich bei dieser direkten Anrede nicht aus. 1500 Facebook- und knapp 700 Instagram Follower scheinen meine Bilder zu mögen. Die restlichen 32.300 Vegesacker finden meine Bilder anscheinend scheiße.

Jeder fängt ja irgendwo, irgendwie mal an. Meine erste Hochzeit war umsonst. Diese war von meinem besten Freund – er hätte mich eh nicht bezahlen können.
Die Trauung war in irgendeinem verlassenen Dorf mit Menschen die er aus der nahegelegenen Bahnhofskneipe dazu holte und an dessen einzigem Gleis sich das Ja-Wort gegeben wurde (nebenbei war ich auch noch Trauzeuge). Außerdem schulde ich ihm für die letzten 27 Jahre Chips und Finale Cola noch unglaublich viel Geld. Also hab ich das einfach verrechnet.
Meine zweite Hochzeit brachte mir ganze 50€ ein. Irgendwann aber, wusste ich was ich kann, dass ich es einfach drauf habe Momente einzufangen ohne wirklich wahrgenommen zu werden. Noch dazu, waren die Bilder deluxe. Was, zum Glück, auch die Paare fanden.
Irgendwann kamen dann die großen Hochzeiten von 1000€ – 2500€. Man kommt halt nur voran wenn man (neues) lernt.

Am Ende des oben genannten Beitrags wird klar, dass die Schreiberin aber gar nicht rumheult, sondern zu Veränderung aufruft bzw. bemängelt, dass diese nicht statt findet – finde ich auch. Und der Beitrag hat mich weiter Nachdenken lassen. Nicht nur über Hochzeitsfotografie.
Das ganze „Mimimi“ kommt ja größtenteils von Menschen die auf Veränderungen nicht klar kommen oder glauben, dadurch benachteiligt zu sein oder nicht hinterherkommen (das hab ich schon immer so gemacht, warum soll ich das ändern?!) oder die AFD wählen.
Wo wir gerade dabei sind, wir Deutschen mögen es ja anscheinend leicht verdaulich, ein bisschen traurig aber gut zu redend – alle wollen weg aber bleiben hier, ein bisschen oh, oh, wohooo (Stichwort Andreas Bourani, Mark Forster und wie die alle heißen) und fröhlich singen wir uns die Depression weg. Es gibt hier kein „einfach cool sein“. Es gibt nur traurig oder total albern (und damit meine ich unlustig, Stichwort Mario Barth).

Unlustig war z.B. auch mein erstes Food-Shooting – keine Bezahlung und die Burger durfte ich danach auch nicht probieren. Was habe ich geändert? Ich habe meine eigenen, selbst gemachten Burger fotografiert, ausgedruckt und damit die Läden besucht. Erstes bezahltes Food-Shooting mit Abendessen.

Selfmade – Der „Dawson’s Greek“

Change – Mach mal was anders. Ich schweife ganz vielleicht mal ein bisschen ab oder hole ganz leicht weit aus. Aber darum soll es hier gehen – einfach mal was anders- oder was anderes machen.
Da ich einer von diesen absoluten Mega-Star-Fotografen bin, habe ich jetzt wieder einen normalen Vollzeitjob der mit Fotografie so viel zu tun hat, wie Donald Trump mit Rechnungen für Mauern. Ich könnte nach der Arbeit jeden Tag Playstation spielen, was essen, duschen und schlafen gehen. Das Ganze am nächsten Tag von vorne. Habe ich auch 1 Woche lang gemacht. Ich sehe aber einfach nicht ein nur für die Arbeit zu leben. Außerdem mache ich ja auch noch irgendwas mit Fotografie und da muss man ja auch am Ball bleiben – man will ja keiner von diesen „Mimimis“ werden.
Zack, Einstellung zur Work/Life Balance geändert. Ich raff mich nach Feierabend auf und tue was. Diesen viel zu langen Blog schreiben oder eben raus gehen und fotografieren. Ich war jetzt länger Arbeitslos (also ohne „normalen“ Job) und es war der Horror. Am Anfang war ich nachts Fotografieren oder früh morgens, immer wann ich wollte. Ich machte alles was ich wollte, wann ich es wollte – fuck your 9to5. Aber irgendwann kommt der Trott. Nichts macht mehr spaß. Außer schlafen und Netflix. „Aber warum machst du dich dann nicht selbständig?“ Weil es dann Arbeit ist und Arbeit nervt und dann nervt fotografieren und dann will ich keine Hochzeiten mehr fotografieren und die Leute können mich nicht mehr buchen und sind traurig und niemand will mehr heiraten und das schöne Standesamt in Vegesack muss schließen!

Im Ernst, ich musste einfach was ändern. Mein bester Freund schuldete mir wegen der Hochzeit damals, noch einen Gefallen und hat mir jetzt diesen Job besorgt, mit dem ich sehr gut leben kann. Und das sind ja keine großen, das Leben total verändernde Sachen gewesen. Hochzeiten habe ich gelernt und wurde immer besser – Foodfotografie genau so. Das mit dem Leben und vernünftigen Entscheidungen wird wohl noch etwas dauern. Aber schon kleine Änderungen können auf lange Zeit… was ändern.

 

Ich habe ewig nichts mehr geschrieben, weil ich einfach so down und antriebslos war. Deswegen ist hier alles auch ein wenig durcheinander und persönlich und geht ums Leben an sich, oder so. Es sollte eigentlich mehr ums fotografieren gehen. Ich habe aber einiges rausgenommen und werde mich in einem neuen Post – öhhhm – auskotzen. Less thinking more doing! 

Haut rinn
Euer Herr Takin

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